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About Realism...



...in Children's Books



Ein literarisches Motiv, das in so mancher Kinderliteratur wirkt, und mit welchem der Autor äusserst genau die objektiven Sachverhalte der menschlichen Existenz und der natürlichen Welt einzufangen versucht, ohne nun dabei zu verschönern, oder zu übertreiben, sind die Jahre der Kindheit – die Kinderstube selbst, sofern sie das Kind und den erwachsenen Leser überzeugen, glaubwürdig die Kindheit darzustellen und repräsentiv für sie zu sein scheinen; anders, die Kindheit wird mit solchem Einfallsreichtum erzählt, wie Astrid Lindgren "Pippi Langstrumpf", dass sie als Kinderstreich ebenfalls überzeugt, und der Kinderautor gemeinhin als besonders humorvoll eingeschätzt wird. Die Kinderstube kehrt in der Epoche des literarischen Realismus als das „Doll House" wieder, und ist in der Moderne freudsche Reminiszenz, was das bürgerliche Erwachsenenleben nurmehr belastet und zum tragischen Schicksal werden lässt, dem keiner der Protagonisten ausweicht, so tragisch zerbricht das Glück an den Erinnerungen. Ibsen’s, oder Hauptmann’s bürgerlicher Realismus ist der Epoche nach zwar Vorgänger und Vorbild dieser Kinderbücher, nicht aber notwendigerweise in der persönlichen Biographie des einzelnen Lesers, wenn er als Kind eine Leseratte war. Unter den am meisten hervorzuhebenden, zeitgenössischen literarischen Bewegungen hat der Realismus die Absicht, das Leben so darzustellen, wie es ist. Dabei will er die Emotionalität und die Dynamik der Handlung an ihrem Wahrheitsgehalt weder mindern noch vereinfachen, indem er den Sachverhalt gar übertreibt und phantastisch aufbläht, dass er wunderbar– wunderlich sich gibt. Ein besonderer Aspekt der Kinderliteratur ist’s, dass ihr Realismus, i.e. die grundsätzliche Glaubwürdigkeit der Handlung, den heranwachsenden Leser soweit zu berühren vermag, dass die erwachsenen Leser die Befürchtung hegen, dass Kind, der Jugendliche könnte durch diese Lektüre realer Szenarien mit Problemen konfrontiert werden, die weit davon entfernt sind, die Entwicklung des Kindes zu begünstigen. Während also die Kinderliteratur sehr oft mit reiner Phantasieund magischen surrealistischen Universalien vorgestellt wird, denen Autoren wie Lewis Carroll, J.R.R. Tolkien, J.K. Rowling und L. Frank Baum zugeordnet werden, unterhält der Realismus der Kinderliteratur nichtsdestoweniger einen abmessbaren Raum innerhalb des breiten Kanons von Kinderliteratur. Wenn der Eskapisten Phantasien den jungen Leser auch mit besonderer Spannung erfüllen und an die Lektüre fesseln mögen, so vermag der Realismus dennoch einen sehr gründsätzlichen Einfluss auf den jugendlichen Leser haben, insofern derselbe nach Vorbildern im Leben sucht, nicht nur in moralischer Hinsicht, sondern, was seine zukünftigen Lebensaufgaben betrifft, so dass er mittels der Lektüre des realistischen Jugendbuches sich ein Verständnis von Sachverhalten, Situationen aneignet, die ihm andernfalls fremd bleiben; sie werden spontan mit der Lektüre zu seiner subjektiven Erfahrung werden, dabei überwindet der heranwachsende Leser den Übergang von Kindheit zum Erwachsenenleben fast spielend. Gute realistische Fiktion weist im allgemeinen verschiedene besondere Charakteristiken auf, zum Beispiel glaubwürdige Charaktere, dann verständliche, begründete Situationen, eine authentische Stimme, sei sie die des Erzählers, oder des Ich-Erzählers, dann aber auch thematisch relevante Begebenheiten, die als Ereignis von besonderer Wichtigkeit für den heranwachsenden Leser sind. Was jedoch den Realismus der Kinderliteratur vom Counterpart der Erwachsenen unterscheidet, ist sehr oft die narrative Position, oder Perspektive, da in der Kinderliteratur gemeinhin auf die Zeit der Kindheit als Handlungsspielraum, und demheranwachsenden Kind als Protagonisten fokussiert wird. Viele der besten Werke erzählen aus der Perspektive des Kindes, und vermissen den allwissenden Erzähler. Jedoch man entsinne sich hier der ungezählten Vorbilder, beispielsweise des englischen Klassikers „Oliver Twist“ von Dickens, oder des Romans „Aracoeli“ der italienischen Schriftstellerin Elsa Morante, die als Lebenspartnerin eines einst so umstrittenen Autors wie Alberto Moravia die Geschichte des Kindes der Moderne schrieb. Der Literaturkritiker staunt über die Wirkung des Bildungsromans des 18. Jahrhunderts und bemisst nach ihm den Realismus der Kinderliteratur. Diese narrative Technik des Ich-Erzählers erlaubt es, dem heranwachsenden Leser das erzählte Schicksal simultan als sein eigenes zu übersetzen, die fremde Handlung tritt unmittelbar als der Gedanke des heranwachsenden Lesers auf, der bald glaubt, besonder'n Zugang zum Denken des jugendlichen Romanhelden gewonnen zu haben; er solidarisiert sich nicht nur mit dessen Schicksal, sondern identifiziert sich mit ihm, oder aber er tritt ihm gegenüber kritisch als dessen Überich auf. Kinderliteratur-Scholastiker wie Daniel L. Darigan, Michael O. Tunnell, und James S. Jacob haben vorgeschlagen, dass dieses intime Gefühl der Vertrautheit und Familiarität es dem heranwachsenden Leser insbesondere ermöglicht, einem erzählten Charakter, dem des heranwachsenden Protagonisten, gleich wie von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen, und ihn wie einen Freund, einen Kameraden, oder ein Geschwister zu verstehen, als ob dessen Probleme unmittelbar die eigenen tangierten, wie sie im eigenen Alltagsleben tatsächlich auftreten mögen und können. Dem sehr oft leicht beeindruckbaren und noch in moralischen Entscheidungen unsicheren Adoleszenten verschafft dieses Verhältnis besondere Genugtuung, mithin das Bedürfnis und das vermehrte Interesse am Lesen, wodurch sein Selbstbewusstsein wächst. Der Kinderliteratur Romane werden sehr oft als diese folgenden vier Gruppen kategorisiert, nämlich die Gruppe faktischer Kategorie, die Gruppe situationsbestimmter Kategorie, dann folgen noch die beiden Gruppen emotionaler und sozialen Kategorie. Dabei sind sie nach ihrer repräsentativen Strategie, i.e. dem Inhalt unterschieden. Die realistischen Romane der Faktizität umfassen die historischen Romane und Abenteuergeschichten unter ihrem breiten Schirm, sie schildern wirkliches Leben und Ereignisse in demselben, wie den Krieg, die Kolonial- oder Pionierzeit der amerikanischen Geschichte, oder ganz allgemein wahre Begebenheiten, die zur Legende ausgewachsen sind. In solchen Publikationen hat der kindliche Protagonist die Funktion, die historischen Ereignisse nur zu tangieren, oder wesentlich als Teil seiner Kindheit zu erfahren, beispielsweise erzählen Christopher Collier und James Lincoln Collier in "My Brother Sam is Dead" (1974), die Bürgerkriegswirren, Scott O’Dell wiederum dramatisiert die wahre Geschichte eines auf einer einsamen Insel aufgewachsenen Mädchens in "The island of Blue Dolphins" (1960). Die zweite Gruppe, die dem emotionale Realismus subsumiert wird, handelt über die emotionale Entwicklung des Heranwachsenden, in moralischer und emotionaler Hinsicht, so dass der Heranwachsende schliesslich einen Charakter hat, Beispiele sind hier William H. Armstrong’s "Sounder" (1969), oder Handlungen, die ganz allgemein dem Bildungsroman entnommen sind, die allein über den Reifungsprozess des Protagonisten handeln und diesen als Weg, als Irren und Wirren zwischen Liebe und Lüge, Zuneigung und Zurückweisung, Armut in der Kindheit, Studium und wirkendes Berufsleben aufzeigen. Dicken’s Held Oliver Twist kehrt endlich in die bürgerliche Gesellschaft zurück, nachdem er unter Tagedieben und Gaunern mit andern verwaisten Kindern der Grossstadt London das Dasein eines bettelnden Strolches, und Taschendiebes in schmutzigen Lumpen geführt hat, in atemberaubend kurzer Zeit holt er die vermissten Jahre an schulischer Unterweisung und Studium nach, und wird wohl zu zuletzt heiraten und ein moralisch gefestigtes Leben als Bürger England’s führen wie Dicken’s Held David Copperfield, vermutet der Leser, wendet er die letzte Seite. Dafür steht auch die Serie Jugendbücher "Alice" (1985-2007) der Jugenbuchautorin Phyllis Reynolds Naylor, worin die Geschichte der heranwachsenden Schriftstellerin Alice vom Kindergarten bis zum bürgerlichen Erwachsenenleben geschildert wird. In Europa erinnert man sich an die Serie "Gulla" – "Gulla, bleib bei uns!", "Gulla hält ihr Wort", "Gulla auf dem Herrenhof", "Gulla benimm dich!", "Schwere Zeit für Gulla", "Gulla am Ziel" – von Martha Sandwall-Bergström, worin ebenfalls das Heranreifen eines jungen Mädchens zwischen Schule und bürgerlichem Gutshof im Norden geschildert wird. Janet Hilburn hat die dritte Gruppe definiert, den situationsbezogenen Realismus als etwas, was nicht nur möglich, aber sehr wahrscheinlich ist. Es handelt sich hierbei um die zahlreichste Gruppe, welche das Leben eines Heranwachsenden in Stücken schildert, darin die Ereignisse die disparaten Verhältnisse und Gegebenheiten der heranwachsen-den Protagonisten aufgezeigt wird, und zwar sehr oft als den Wechsel zwischen grosstädtischem Gang-Leben und ländlichem Existenzkampf als dem Vorbild eines mitunter idyllischen Lebens, das allein den gesunden Charakter reifen lässt. Wie tief antik das Vorbild solcher Vorstellung sitzt, weiss der Platoniker. Allein Sokrates hatte den Aufenthalt auf dem Lande und das bäuerliche Landleben für den scheinbar unbegabten Schüler einst in der Politeia empfohlen und als Erziehungsmittel des Stadtstaates für den lausigen Schüler für angemessen gehalten. Diese Gruppe zeigt die Situation als einen moralischen Topos auf; Homosexualität, Abtreibung, Missbrauch und andere kontroverse Themen werden hier zur Handlung verarbeitet. Diese thematisch situationsbezogenen Jugendbücher führen immer wieder zeitgemässes Dasein Jugendlicher an und brechen mit ihrem Anspruch auf Authentizität Tabus der modernen Erziehung und hoffen ihren Topos avantgardistisch genug angeführt zu haben. Zwei Beispiele umfassen auch J.D.Salinger’s moderner Klassiker „Catcher in the Rye“ (1951), oder Jack Gantos’ „Joey Pigza“ Trilogie (1998-2002), die humorvoll und spitzfindig die Kämpfe eines Jungen schildern, der unter ADHS leidet, also unter einem Aufmerksamkeitsdefizit das heute noch sehr viele Schüler als persönliches Leid tragen. Die letzte Gruppe schliesslich realistischer Jugendliteratur, der soziale Realismus, verbindet Zeit-Einheiten von sozialer Erfahrung, d.h. viele dieser Bücher handeln über die Schulzeit der Kinder, den Schulhof, die Peergroup. Robert Cormier beispielsweise hat insbesondere mit „The Chocolate War“ und „After the First Death“ solche Verhältnisse aufgesucht und in seinen Jugendbüchern gespiegelt. Während nun aber solche scheinbar wissenschaftlich aufgespürten und ausgeführten Kategorien zu einer theoretischen Einsicht in Ton, Struktur der Komposition, und die Absicht des Autors verhelfen, sind dieselbe nur bedingte Definitionen, denn sehr viele Werke sind durchaus ein Mix dieser vier Aspekte und vereinen somit alle vier Typen unter sich als der realistischen Konstruktion. John Knowle’s "A Separate Peace" (1959), zum Beispiel, verkörpert Facetten jeder einzelnen Kategorie, indem er einen Handlungshintergrund des Zweiten Weltkrieges entwirft, dem als Vordergrund das gemeinsame Heranwachsen der Kinder Gene und Finny gegeben ist, das Trübungen in der Freundschaft erfährt; der Handlungsraum spielt ausschliesslich in der Grundschule der beiden Kinder. Der literarische Realismus hat seinen Anfang in Frankreich genommen, und zwar als eine Antwort auf das Drama der Romantik. Wettbewerbsgewinner unter den Giganten der französischen Romanciers war Honoré de Balzac und Alexandre Dumas jr. Die Bewegung des Realismus versuchte in die Literatur zwei hauptsächliche Aspekte zu re-integrieren, welche die Sozietät des Frankreichs im 19. Jahrhunderts betraf, aber von den Romantikern zuvor vernachlässigt worden war, das Bewusstsein einer wachsenden Gesellschaft, einer Massengesellschaft, wie Charles Darwin sie szientifistisch als Mass von Aggression und Submission in der Tierwelt erstmals beobachtet hatte, kurz als das Momentum „Survival of the Fittest“. Auch andere progressive Intellektuelle betonten die dramatische Bedrohung menschlichen Lebens in der Grossstadt unter den Bedingungen der Industrialisierung, und entdeckten erstmals den agressiven Trieb beim Menschen und beim Tier, insbesondere in Zusammenhang von bedrohter Existenz. Das französische Drama, der darin mit Witz und Eleganz geführte Dialog zur Zeit Napoleons Bonaparte, der Schnörkel, weicht dem realistischen Roman; hier wird die Schilderung der Aggression und Aggressivität der Arbeiterklasse, ihr Überlebenswille zur Expression. Die Grossstadt im Roman hat einen neuen brechtschen Schauplatz, die Markthalle, die Wäscherei und Glätterei, das Milieu. Das Denken der Kleinbürgerin und des Kleinbürgers wird im Gegenzug zu Molière’s Dialoge im Drama „Malade Imaginaire“ nun aufgespürt. Doch Molière bleibt ihrer Vielstimmigkeit surrealistischer Vorläufer, wie Shakespeare und andere, Molière war ein Theatermacher, Schauspieler und Stücke-schreiber in einem, der bis zum letzten Atemzug auf der Bühne sich selbst verkörperte und zuletzt nurmehr seinen eigenen leidvollen Tod des Schwindsüchtigen glaubhaft darstellen konnte. Immer vom realen Husten unterbrochen sprach er schon im Fieber seinen Text auf der Bühne. Insoweit reflektiert die neue Schule des Realismus regelmässig auf die widersprüchliche Existenz des Arbeiters und der sozial Randständigen, und verbindet dabei die Schilderung des Existenz-kampfes der Arbeiterklasse mit dem Detail für das ärmliche Interieur der Unterschicht, fügt dazu die Milieustudie als besonderer Sprachgebrauch des Dialekts, und macht denselben für die Literatur erstmals wieder fruchtbar, der Zuhörer und Leser lokalisiert Stück und Stückeschreiber, Roman und Romancier, die literarische Sprache aber scheint wie erneuert, zumal das Milieusprechen vom gebildeten Sprechen nun deutlich unterschieden wird. Wie andere Aspekte der Kinderliteratur, so ist der Realismus derselben erst spät für die Literaturwissenschaft wesentlich geworden, erst als der heran-wachsende Leser die Methode des Realismus schon besass. Spuren wissenschaftlicher Notiz des Unterschieds von rein fiktionaler und realistischer Kinderliteratur finden sich im 19. Jahrhundert Englands, nachdem soziale Kritiker die weite Verbreitung und Fruchtbarkeit von nur phantastischer Literatur verschrieen hatten; diese kritische Wahrnehmung war Resultat der weiten Verbreitung und Popularität von Lewis Caroll’s "Alice’s Adventures in Wonderland" (1865) und seiner vielen Imitatoren, wie auch die Verbreitung von "Penny Dreadfuls." Lauthals verurteilte man die reine Phantasy Literatur, wie sie schon an Terrain gewonnen hatte, man wollte nur noch realistische Kinder- und Jugendbücher publizieren und über den Markt verbreiten, so dass der didaktische Impetus der Phantasy Kinderliteratur bald unüberhörbar war. Das Resultat dieses Streites, argwöhnte John C. Stott, war offenbar keine gute Literatur, ja Kinder sahen sich nun gezwungen, dumme moralische Verzerrungen sozialer Armut oder Misstände zu lesen, wodurch sie zu moralisch gefestigten Personen gerade heranwachsen sollten. Phantasy Literatur behielt ihren Vorsprung für viele Jahrzehnte, und wurde endlich 1951 ironisiert mit dem Werk des jungen amerikanischen Schriftstellers Salinger, der gerade erst seinen Dienst als Soldat im Zweiten Weltkrieg hinter sich hatte. Der Ich-Erzähler referiert schon im ersten Satz auf sein englisches Vorbild Charles Dickens, wenn er seinen Roman "The Catcher in the Rye" folgendermassen beginnt: „If you really want to hear about it, the first thing you’ll probably want to know is where I was born, and what my lousy childhood was like, and how my parents were occupied and all before they had me, and all that David Copperfield kind of crap, but I don’t feel like going into it." Gleichwohl das Buch für eine ältere Leserschaft gemacht schien, hatte es Wirkung und Leserschaft unter den Adoleszenten gefunden. Weltweit avancierte Salinger’s "Catcher in the Rye" zum Kultbuch der College-Studenten. Salinger reflektierte nicht auf den Dialekt, aber den Slang der Jugendlichen und die radikale Verschiebung im Ton, der Perspektive und dem Thema. The Catcher in the Rye gab sicheren Beweis für die Wasserscheide in der weiteren Evolution des realistischen Kinder- und Jugendbuchromans. Es erweckte Verständnis, wie vielleicht nur der Film, für das wachsende Gefühl der Deplaziertheit und Randständigkeit als Randgruppen, Gangs verschiedener Immigrantenkinder unter den amerikanischen Adoleszenten. Das Buch eines Autors der Beat-Generation wurde sofort von Jugendlichen rezipiert, indem sie nun selbst die Anwendung und Rezeption von Realismus in der Kinder- und Jugendliteratur verfeinerten. Über die nächsten paar Jahrzehnte hin hatte die realistische Fiction der Jugendliteratur einen scheinbar immerwährenden Platz unter den Kinderbuchautoren eingenommen, dabei erlaubte dieser denselben eine grösseren Spielraum an Ausdruck in bezug auf emotionale Bedürftigkeit und Überlebenskampf zeitgenössischer Jugendlicher. Der neue gewonnene literarische Horizont offerierte den Autoren die Möglichkeit weitere Tabus als thematisches Material einzuräumen, so gibt zum Beispiel in John Donovan’s Jugendbuchroman "I’ll Get There", "It Better Be Worth the Trip" (1969) der homosexuelle Jugendliche den Protagonisten. Katherine Paterson’s bittersüsse Erzählung von Kindersterblichkeit "Bridge to Terabithia" (1977), steht als Beispiel, wie auch der eher mondäne, weltliche Topos der Scheidung in "Mom, the Wolf Man, and Me" (1972) von Norma Klein. Während der Gebrauch von realistischen Charakteren und Situationen auf zeitgenössische literarische Arbeiten ein-geschränkt ist, so haben die Kritiker doch bemerkt, dass eine Evolution darin definiert werden muss, wie der Realismus seine Expression hat und davon Gebrauch macht seit dem Kanon an Realismus beim Jugendbuch. Abgesehen von der Einschliessung von formal kontroversen topischen Themen offeriert der zeitgenössische Realismus in der Jugendbuchliteratur einen besondern Fokus auf den jugendlichen Erzähler und seine subjektive Entwicklung, wie sie vorgestellt und für möglich gehalten werden. Werke beispielsweise wie "Little Women" (1868-1869) von Louisa May Alcott’s tragen eine mehr realistische Handschrift; sie malt wahrhafte Portraits eines Lebens in New England während des Bürgerkrieges, und wiewohl ihr Stil romantisch ist, oder die Schilderung des Werbens um die Liebe einer Frau romantische Wirkung hat, so entwickelt sie dennoch ungleich zeitgenössischen realistischen Arbeiten, gab ihr Kritiker Jean Karl zu, eine rein narrative Erzählstrategie und zeichnet ihre Charakter aus der Sicht des allwissenden Erzählers, dabei versteht sie's gleichermassen in das Kind und den Erwachsenen hineinzuschauen. Sie hat uns nicht nur erzählt, was jederman denkt, wann immer es für die Romanhandlung wichtig und erhellend scheint, sondern auch die Handlungen und Überlegungen derselben reflektiert und erläutert. Im Gegensatz dazu, so schlägt Karl vor, sollten zeitgenössische Erzähler von realistischem Jugendbuch notwendigerweise ihre Erzähltechnik den Anforderungen ihrer verschiedenen Zuhörerschaft anpassen. Insoweit aber soll laut Karl jeder Jugendbuchautor gar die Stimme des Kindes zum Ich-Erzähler nehmen, denken wie ein Kind denkt, und die Welt zu betrachten suchen, wie’s nur ein Kind tut. (Judy de Winter, Miami 2008.) (Aus dem Engl. Redwine.)