RE-EDITION
Die Krapplack Edition legt die beiden Schweizer Autoren Albin Zollinger und Alfred Eidenbenz in einer Taschenbuch-Ausgabe auf...
Das Werk der beiden Autoren Zollinger und Föhr weckt Erinnerung an ein Stück Schweizergeschichte, an die Zeit, da die Schweiz mobil machte. Albin Zollinger schildert diese Zeit unprätentiös erst in seinem Roman "Pfannenstil" als die Heimkehr von zwei befreundeten Künstlern, in "Bohnenblust" als das Einrücken des frisch verlobten Lehrers Bohnenblust und seinen unglücklichen verfrühten Tod an der Schweizer Front. Zollinger vollendete beide Romane kurz vor seinem frühen Tod im Jahre 1941. Sie wurden damals posthum, im Jahre 1942, vom Atlantis Velag mit einem Nachruf von Max Frisch publiziert. – Die zwei Schweizer Künstler Stapfer und Krannig, Bildhauer der eine, Maler der andere, kehren bei Kriegsausbruch mit dem Zug aus Paris nach der Schweiz zurück und haben in ihrer Gesellschaft die junge Pariserin namens Mary; sie ist Geliebte und Gefährtin des bekannten Künstlers Krannig. Die Heimfahrt entwickelt Zollinger als leichte Unterhaltung zwischen Stapfer und Krannig, die allein von den einsamen Gedanken Stapfers unterbrochen sind, wie sie allmählich Begehren für die junge Mary fühlen und insgeheim um sie zu werben beginnen; diese Liebe wirbt bald offen um die junge Fremde. Stapfer macht Mary mit Zürich, der Landschaft um Zürich, den Pfannenstiel bekannt, wo er sich in seinem Atelier einrichtet. Mary wendet sich von Krannig ab und findet sich in den Armen Stapfers wieder. – So fiktional sich der erste Roman gibt, so wenig ist er's. Wie Immergrün rankt sich um den festen Kern an Erzählung Biographisches. Der Künstler dessen Biographie Zollinger zur Fiktion werden lässt und Stapfer nennt, ist der junge Künstler Lueginbühl. Auch der letzte Roman "Bohnenblust" kann autobiographisch gelesen werden, als in Stücken die letzten Lebensjahre des Lyrikers und Romanschriftstellers Albin Zollinger selbst. Zollinger schliesst seinen letzten Roman mit dem tragischen Tod des jungen Lehers Bohnenblust, seinem Alter Ego. Der Tod spielt hier nicht mit lustiger Fidel auf, aber mit lauten Böllerschüssen, wenn der tote Schweizer Leutnant "Bohnenblust" zur Zeit der Schweizer Mobilmachung mit allen Ehren zu Grabe getragen wird. Am Grabe des jungen Lehrers steht kaum volljährig Vreneli. Sie war die Schülerin und heimliche Geliebte des jungen Lehrers, dann endlich seine Verlobte als die Mobilmachung ihn zum Dienst an die Grenze aufbietet und das junge verliebte Paar unvermittelt für immer trennt. Zollingers letzter Roman ist Liebesroman und macht das heimliche Werben eines Schulmädchens vor den kritischen Augen des Lesers öffentlich, wie's der junge Lehrer zu verheimlichen sucht, bis Vreneli kaum volljährig ist. Die verbotene Liebe entspinnt sich zart und fein, und spielt in der grünen Natur als heimliche Treffen.
Lautloser, stummer findet man die Liebe zwischen Lehrer und nicht volljähriger Schülerin im Roman "Föhr, oder die Schule in die Madeleine kam" des Alfred Eidenbenz. Er problematisiert die Liebe zwischen Lehrer und Schulmädchen nochmals, doch mit einem glücklichen Ende. Die frühreife Madeleine ist externe Schülerin in einem blossen Knabeninternat, wo der junge unerfahrene Internatslehrer Föhr kaum ein Jahr unterrichtet. Das Werben der jungen Madeleine sind stummer Blick, spontane unschuldige Geste. Eine zufällige Berührung im Hinabschreiten durch den Wald lässt den Internatslehrer Madeleines stummem Begehren nachgeben. Der spontanen Umarmung folgt Heimlichkeit und Verheimlichung. Der spontanen Hingabe folgt mit aller Zuneigung das "Reasoning" des nun unmittelbar gereiften Lehrers und, so scheint, aus dem Grund der stummen Leidenschaft wird zum Schluss eine junge Vernunftehe geschlossen. Beide Liebenden warten geduldig die Volljährigkeit der Madeleine und das Einverständnis der fernen, unbekannten Eltern ab.
Beide Publikationen, Neuauflagen verbindet also die Psychologie der Liebe, wie sie sich zwischen Schülerin und erfahrenem Lehrer entwickeln kann; sie interessiert wegen der stummen Erotik, wie beide sie im Schulzimmer empfinden müssen, und wie sie's erreichen, dass aus ungestillter Leidenschaft doch Liebe und eine Zweierbeziehung wird.